Mittwoch, 6. August 2014

Von Träumern, Sprayern und Akrobaten

Die Berliner erobern sich ein Stück ihrer Stadt zurück. Nach Schließung im Jahre 2008 ist der Tempelhofer Flughafen zu einem Spiel- und Experimentierplatz geworden: Radfahren, skaten, kitesurfen, grillen, im Gras liegen; alles ist möglich auf dem riesigen Areal, das auf Beschluss der Berliner nicht bebaut werden soll. Während eine große Wiese zu einem Vogelschutzgebiet erklärt worden ist, sind auf einer Fläche nebenan kleine, fantasievolle Gärten zum Ernten und zum Träumen entstanden.
















Über die Hasenheide spaziere ich wieder in Richtung Neukölln und entdecke überall interessante Graffiti. In Berlin gibt es nun wahrlich genug davon.








Ein Stopp bei den Skateboard-Akrobaten, und am Abend komme ich schließlich wieder in Neukölln beim Rathaus an.



















Dienstag, 5. August 2014

Atemberaubende Blicke und ein zufälliges Treffen

12 Tage Berlin. Die Wohnung von Matthias ist frei. Eine Art Fortsetzung meiner Reise aus dem Frühjahr. Und im Sommer ist Berlin sehr viel reizvoller als im Winter. Am späten Nachmittag ein erster Spaziergang durch Neukölln. Mit dem Fahrstuhl fahre ich hoch auf die Dachterrasse der Neukölln Arcaden, zum „Klunkerkranich“. Dort, auf dem obersten Deck eines Parkhauses, ist eine Art Dachgarten entstanden, eine Mischung zwischen „urban gardening“ und einem Café-Restaurant. Viel Holz und viele grüne Pflanzen haben den grauen Asphalt des Parkdecks verdrängt. Der Blick auf Berlin und den blauen Himmel darüber ist atemberaubend. Dazu ein kühles Bier. Was will man mehr! Danke Matthias für den tollen Tipp. Ich denke, ich werde nicht das letzte Mal hier oben sein.
Später schlendere ich durch das multikulturelle Neukölln. In der Karl-Marx-Straße esse ich einen Dönerteller und treffe Imke aus Uelsen. Welch ein Zufall! Mir scheint, die Grafschafter sind nicht nur am Mittelmeer, sondern auch in Berlin. Na klar, gerade in die Hauptstadt hat es viele junge Leute aus meiner Heimat verschlagen. Hat viel Spaß gemacht, mich mir dir zu unterhalten, Imke. Schön, dass du dir Zeit genommen hast.










Montag, 4. August 2014

Bitte umziehen

Der Mauersegler war aus dem Ortsbild von Emlichheim fast ganz verschwunden, weil aufgrund moderner Bauweise immer weniger Nistmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Im Jahre 2008 haben Vogelschützer an der Dachkante der Realschule Nisthilfen für Mauersegler angebracht, um den eleganten Flieger, der sich nur in der Luft aufhält, wieder eine Brutmöglichkeit zu bieten. Mit einem Trick sollten die Akrobaten der Lüfte angelockt werden: Hermann Groene installierte im Inneren der Kästen mit Schülern der Technik-AG eine Klangattrappe. So ertönte von Anfang Mai bis Ende Juli tagsüber in einer Endlosschleife das duchdringende „sriih- sriih“-Rufen des Vogels. Erst vier Jahre später ging der Plan auf: Das erste Mauerseglerpaar zog erfolgreich eine Brut hoch. Inzwischen haben vier Paare die Nisthilfen angenommen. In diesem Jahr ergibt sich allerdings ein Problem: Die Schulfassade wird saniert, das heißt, die alten Kästen müssen weichen. Direkt über ihnen sind nun auf dem Dach neue Nisthilfen installiert worden. Jetzt heißt es abwarten und hoffen, dass die inzwischen wieder heimisch gewordenen Mauersegler auch diese Kästen annehmen. 

 

Sonntag, 3. August 2014

Flanieren entlang Kunst und Handwerk

Hermann Fischer ist zufrieden. Zum elften Mal hat der zweite Vorsitzende des VVV Uelsen den Uelsener Kunst- und Handwerkermarkt organisiert. Am Nachmittag stehen längst alle Buden rund um die reformierte Kirche, und Hermanns Arbeit ist getan. Die Beschicker kommen gerne nach Uelsen, weil es dort sehr familiär zugeht. Bei idealem Wetter flanieren zahlreiche Besucher durch den autofreien Ortskern. Für gute Stimmung sorgen auch die beiden Musikgruppen. Die holländischen „Jazz-Freaks“ und die „Grafschafter Harmonikafreunde“.  Und wer unter den zahlreichen Angeboten des Marktes noch nicht das Passende für sich gefunden hat, kann sich an dem verkaufsoffenen Sonntag in den Geschäften des Ortes umschauen.
























 

 



Samstag, 2. August 2014

Eine himmlische Frucht

Die Brombeeren sind reif! Selbstgemachter Brombeergelee morgens auf einem frischen Brötchen mit einer Tasse Kaffee – besser kann der Tag nicht anfangen. Doch vor dem Genuss haben die Götter den Schweiß gesetzt. Das Sammeln der Brombeeren in der freien Natur hat so seine Tücken. Entweder bin ich zu früh und die Beeren sind noch nicht reif, oder die Früchte sind genau richtig – saftig und süß -, dann war mit Sicherheit schon jemand vor mir da. Also habe ich vor einigen Jahren in unserem weitläufigen Garten Brombeeren gepflanzt, nur für uns!! Allerdings haben die sich inzwischen selbstständig gemacht. Sie sind kaum noch einzufangen; ranken, wohin sie wollen. Nun gut, immerhin gibt es jetzt jede Menge Beeren. Gestern war Sammeltag. Nur zu dumm, dass die besten Früchte dort hängen, wo sie kaum zu erreichen sind und dann noch von wehrhaften, dornigen Ranken verteidigt werden. Schließlich ist die Haut zerkratzt, die Kleidung voller weinroter Flecken, aber der 10-Liter-Eimer gefüllt. Das Entsaften und Einkochen findet draußen auf der Terrasse statt mit Rücksicht auf den Zustand der Küche. Ach, wie einfacher wäre es, den Gelee im Laden zu kaufen. Doch wenn am Ende das himmlische Fruchtaroma die Geschmacksnerven in Entzücken versetzt, dann ist das die Arbeit wert gewesen, finde ich. 



 

Freitag, 1. August 2014

Es ist soweit

Jetzt ist plötzlich der Tag da. Erster August, der Beginn meiner Pensionierung. Ich kann`s gar nicht glauben. Eigentlich wird sich nicht so viel ändern, freiberuflich werde ich weiterhin unterwegs sein. Aber immerhin: Ein langer Lebensabschnitt ist zu Ende gegangen. In den GN habe ich dazu eine Kolumne geschrieben. Für alle, die keine GN beziehen (davon soll`s tatsächlich noch einige geben), hier steht der Text noch einmal:

Elf schwere Kisten habe ich auf den Dachboden gehievt, voll mit Unterrichtsmaterialien aus 30 Jahren Schultätigkeit. Eine Heidenarbeit. Das war vor zehn Jahren, als ich mich vom Schuldienst beurlauben ließ. Es hätte ja sein können, dass ich noch mal ins Klassenzimmer zurückkehre. Daraus ist nichts geworden, die freiberufliche Arbeit hat mich voll ausgefüllt. Nun habe ich die Kisten über die kleine Dachbodentreppe wieder nach unten geschleppt, denn ab heute bin ich vom Land Niedersachsen offiziell in den vorzeitigen Ruhestand entlassen worden. Was tun mit den unzähligen Büchern, Unterrichtsvorbereitungen und Arbeitsblättern? Ich könnte sie jüngeren Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung stellen. Aber die haben inzwischen ganz andere Vorstellungen von Schule und können wenig anfangen mit dem Material aus der pädagogischen Mottenkiste, zumal fast alle Bücher noch in alter Rechtschreibung geschrieben sind. Für Kassetten und Videos gibt es kaum noch Abspielgeräte, und Blaumatrizen zum Vervielfältigen kennen die meisten schon gar nicht mehr. Also hole ich Papier- und Mülltonne und beginne auszusortieren. Beim Anblick der gesammelten Schätzchen zieht meine Lehrerzeit wie im Zeitraffer noch mal an mir vorbei: Klassenlisten bringen die Namen ehemaliger Schüler in Erinnerung. Die mit viel Herzblut erstellten Arbeitsblätter, die Spielesammlung für Klassenfeste, die Trillerpfeife für den Sportunterricht. Nichts wird mehr gebraucht, und Wehmut beschleicht mich. Ein Lebensabschnitt ist nun endgültig vorbei. Bald ist die Papiertonne bis zum Rand gefüllt, und es müssen noch so viele Bücher und Blätter entsorgt werden. Ich denke, ich werde meinen Nachbarn bitten, seine Tonne mit benutzen zu dürfen. Ich möchte nicht noch einen Monat warten müssen, bis auch der Rest verschwunden ist.