Montag, 31. August 2020

Auf dem Brückenradweg

Für den zweiten Tag meiner Radtour nach Varrel bei Bremen nehme ich die westliche Route des Fernradwanderweges Osnabrück – Bremen. Er wird auch Brückenradweg genannt, weil es des öfteren mal über Brückenbauwerke geht. Z. B. über die Ozeanbrücke kurz vor Harpstedt, die über das sumpfige Delmetal führt. Ein hochtrabender, aber auch witziger Name, denke ich zunächst. Später erfahre ich, was dahinter steckt: Die Brücke führt zum Harpstedter Ortsteil Amerika. Ich finde den heutigen Teil meiner Radstrecke landschaftlicher interessanter als den gestrigen. Es geht des öfteren mal durch ausgedehnte Waldgebiete. Und die Strecke ist besser ausgeschildert, auch weil man hier das Knotenpunktsystem anwendet, das in den Niederlanden das Radfahren so angenehm macht. Nach 75 Kilometern erreiche ich mein Ziel, den Eichendorffwinkel in Varrel, gerade noch rechtzeitig für Kaffee und Kuchen, was ich mir auch redlich verdient habe, finde ich.






Der alte Trafoturm in Einen, ein Hotel für viele Tierarten





Die Ozeanbrücke kurz vor Harpstedt









Mein Lieblingsmotiv: Hirsch vor Sonnenuntergang auf Scheunenmauer

Kunstwerk in Groß Mackenstedt


Sonntag, 30. August 2020

Mit dem Fahrrad zur Einschulung ….

…  von unserer Enkelin Elida in Varrel, Gemeinde Stuhr. Ich habe mir gedacht, es ist eine gute Idee, mein neues Rad einmal ausführlich zu testen und in die Nähe von Bremen zu radeln. Am Freitag starte ich, fahre nach Meppen und nehme den Hase-Ems-Radweg bis nach Quakenbrück. Es geht oft nicht direkt an der Hase entlang, sondern eher durch das Hasetal. Nur bei Herzlake und Löningen führt ein längeres Teilstück unmittelbar am Fluss entlang. Eigentlich könnte ich in Quakenbrück übernachten, zumal die Stadt eine sehr schöne Altstadt mit zahlreichen Fachwerkhäusern hat. Immerhin bin ich schon rund 80 km geradelt. Aber dann wäre das zweite Teilstück am nächsten Tag zu lang, und ich käme nicht mehr rechtzeitig zur nachmittäglichen Feier. Also strampel ich weiter bis nach Vechta, wo ich gehen 20 Uhr und nach 125 Kilometern das Gasthaus Sgundek erreiche, gerade noch rechtzeitig, bevor die Küche schließt. Und einen halben Liter Bier habe ich mir natürlich auch verdient.
(Morgen folgt Teil 2 der Radtour.)
Die Bilder zeigen nicht nur schöne Landschaften, sondern auch hin und wieder auch Besonderheiten oder Skurriles, das ich unterwegs entdecke:













Welch ein toller Platz für ein Wegekreuz!











Der Marktplatz von Quakenbrück



Mittwoch, 26. August 2020

Ein verlassener Ort unterm Kirchendach

Als Jan-Hindrik Jonker neulich seine Anekdote von der Jahreszahl in der Sandsteinmauer bei der reformierten Kirche erzählte (siehe Blog vom 14.08.20), berichtete er zudem, dass er als Maurergeselle an der Renovierung des Kircheninneren aus dem Jahre 1958 beteiligt gewesen sei, damals eine Gemeinschaftsaktion der Baufirmen Stegink und Kwade. Die Arbeit war äußerst kniffelig, da es noch keine Maschinen und Absicherungen wie heute gab. Wackelige Gerüste im Innenraum, und oben im Gebälk des Kirchendaches wurde der Speis für das Gewölbe in Eimern über einfache Rollen hochgezogen, die außen an der Kirche angebracht waren.
Man kann das Gewölbe von oben anschauen“, sagt Gerd Hans, der dort als ehemaliger Küstersohn so manchen toten Rabenvogel entfernen musste.
 Ich war noch nicht an dem besonderen Ort. „Wäre doch eine spannende Sache, dort einmal zu fotografieren“, denke ich. Aber es braucht die Zustimmung des Kirchenrates. Die bekomme ich tatsächlich, sodass mir Küster Jager vor einigen Tagen die Tür zu dem geheimnisvollen Raum aufschließt. Ich klettere vom Turm aus hinein, noch ein Stück über ein Sprossenleiter, und dannn tauche ich in eine fremde Welt ein: Halbdunkel, zwei kleine Dachfenster und Lampen spenden etwas Licht, muffige Luft, überall Holzbalken, in der Mitte ist ein Brettersteg, den man betreten und das Gewölbe von oben betrachten kann. Es erinnert mich ein wenig an die eigenartigen Trullis im italienischen Apulien (Blog vom 10.06.2016). Jede Menge Vogelhinterlassenschaften, aber totes Federvieh entdecke ich zum Glück nicht. Ein G.J. Hans hat seine Initialen und das Datum 18.3.1958 in den Speis geritzt. 
Ein eigenartiges Gefühl und der Gedanke, dass es hier gegen Ende des 15. Jahrhunderts, als die Kirche die heutige Form erhielt, schon so ähnlich ausgesehen haben muss. Wie wagemutig mussten die Menschen damals gewesen sein, um so etwas mit einfachsten Mitteln zu bauen.
Unter Fotografen ist zur Zeit angesagt, „lost places“ zu fotografieren. Wer hätte gedacht, dass es so einen verlassenen Ort mitten in Emlichheim gibt.

Jan-Hindrik Jonker im Kircheninneren








Ein Ventilator verbindet mit dem Kirchenraum